(27. Mai: Aktualisierung am Ende des Textes)
Es hat sich herausgestellt, dass ich mir teils sehr schwer mit meiner Reisebegleitung Yiwu tue, obwohl es auch viele schöne, lustige und lehrreiche Momente gab. Wir haben z. B. auf der Fähre abenteuerlich Pfanddosen gesammelt, zusammen gekocht und einen wundervollen Gaestebucheintrag gestaltet.
Ich habe das Gefühl, mich generell sehr zu bemühen, mich auf sie und ihren speziellen Hintergrund (fühlt sich nach Medikamentenbehandlung oft sehr traege) einzustellen. Umgekehrt passiert meiner Meinung nach aber nur wenig. Als ich gerade das Thema unserer Reise-Zweiergruppe ansprechen wollte, bekam ich nur unterbrechenderweise die Antwort, dass sie nicht dauernd über Gefühle sprechen will. Das verstehe ich, hierbei sehe ich mich aber einfach nicht akzeptiert. Und für mich ist es auch eine Herausforderung, sie als sehr passive Reisebegleitung zu akzeptieren, immer sah ich mich als Initiator und Planer fürs Trampen und für die nächsten Couches.
Auch das geplante Riesenseifenblasen-Machen (und damit gleichzeitig die Leute zu erheitern und spaßig etwas Geld zu verdienen) gestaltet sich mangels Material schwieriger als erwartet.
Wie immer ist hier meine Lernerfahrung aber vielleicht umso deutlicher - auch wenn die Situation erst mal nicht so positiv wirkt. Nach dem nächsten Spaziergang weiß ich wohl mehr, ob ich tatsächlich noch mit Yiwu nach Bergen weiter will (hätten eine gute Mitfahrgelegenheit) oder sich unsere Wege bald trennen...
Aktualisierung:
Ich hab mich dafür entschieden, doch mit Yiwu weiterzureisen. Erst hauptsächlich weil sich eine gute Mitfahrgelegenheit und die Aussicht auf einen Interessanten Host auf einem Bauernhof ergaben, dann auch wegen Yiwu, die sich entschuldigte und sich nach einem weiteren Gespräch nun auch deutlich bemühter zeigt, aktiv und rücksichtsvoller am gemeinsamen Reisen teilzunehmen. Sie erinnert mich oft an ein Kind, was teils sehr positv und teils nervig sein kann. Positiv und lustig, wie sie beim Wandern einfach beschließt, sie brauche jetzt sofort Wasser und spontan bei der nächsten Privatwohnung klopft. Nervig, wenn ich das Gefühl habe, dass sie sich nicht allein beschäftigen kann und in manchen Dingen sehr unbeholfen wirkt.
Ich sehe auch deswegen in unserem zusammen Reisen für beide ein großes Potenzial an Lernerfahrung, und unter anderem wegen der bin ich ja auf Reisen.
Auf einem Stein sitzend habe ich heute übrigens nochmal die letzten Tage aus einem anderen Blickwinkel Revue-passieren lassen. Ich hab nämlich wieder so viel erlebt... die Elektroparty im Park in Stockholm, z. B., die noch ein eindrucksvolles Nachspiel hatte, Gastgeberin Maude mit ihrer bewegenden Geschichte, die Nacht-Busfahrt nach Oslo (Trampen haben wir nach fünf Stunden aufgegeben), Kartoffelanbau auf dem Land und noch vieles mehr... Jedenfalls hab ich hinterfragt, ob ich tatsächlich reisen muss, um Abenteuer bzw. vielfältige und schöne Erlebnisse zu haben. Warum nicht wo bleiben und dort immer wieder neue Wege einschlagen...?
Leider fehlt mal wieder die Zeit zum gemütlichen Schreiben. Auf dem Stein relaxend jedenfalls hatte ich genügend Kapazität, um die Gedanken auch ausgiebig an die Leute in der Heimat schweifen zu lassen... :)
